Für eine Zeit voller Leben – Menschen im Kinderhospiz
Jutta (49), Kunsttherapeutin
Jutta arbeitet seit 16 Jahren als Kunsttherapeutin in der Björn Schulz Stiftung. Sie begleitet dabei nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch ihre Familien.

Farben des Lebens

Jutta (49), Kunsttherapeutin

Mit voller Kraft die Farben an die Wand schleudern: Wenn man innerlich vor Wut platze, könne das ein gutes Ventil sein, erzählt Kunsttherapeutin Jutta. So bunt wie die Farben an ihrer Wand, so individuell seien auch Trauerprozesse. Mit all ihren Klient:innen überlegt Jutta zunächst gemeinsam, was helfen kann. Nicht immer ist das Gefühl von Wut oder Verzweiflung zentral. Manchmal sei einfach Stabilität gefragt. Dann arbeite man beispielsweise mit Ton, der sei ein erdendes Material, erklärt Jutta. In den vielen Jahren ihrer Tätigkeit, in denen sie Kunsttherapie für die von der Stiftung betreuten Familien anbietet, hat sie schon mit unterschiedlichsten Techniken gearbeitet - von Malerei über Bildhauerei bis hin zu Mosaikarbeiten. Jutta passt die künstlerischen Mittel daran an, was dem Gegenüber am besten hilft sich auszudrücken.

Wenn die Trauernden verschlossen sind und große Widerstände in sich spüren, über ihre Emotionen zu sprechen, braucht es viel Fingerspitzengefühl. Jutta weiß, dass die Kunst hilft, wieder eine größere Nähe zu sich selbst zu finden. Sie erzählt von einer Mutter, die ihr Kind verloren hat und vor Trauer innerlich erstarrt war. Erst die künstlerische Arbeit half, die erstarrten Gefühle wieder zu lösen. Kunst kann aber noch mehr erreichen: Der kreative Prozess und die Vertiefung in das eigene Kunstwerk helfen vielen, wieder einmal völlig im Hier und Jetzt zu sein. „Als ob die Zeit anhält“, beschreibt sie diese Momente, die zu den schönsten Erlebnissen ihrer Arbeit gehören.

Als Jutta vor 16 Jahren als Praktikantin in der Björn Schulz Stiftung anfing, war die Therapie durch Kunst noch nicht etabliert. Inzwischen gehört sie hier zum festen Angebot. Für Jutta war durch den frühen Tod ihrer Mutter bereits klar, dass sie in einem Hospiz arbeiten wollte. Es sei ihr wichtig, das Thema zu enttabuisieren und ins normale Leben zu integrieren. Von außen erhält sie viel Anerkennung für ihre Arbeit. Das war früher anders. Sie glaubt, da habe sich auch gesellschaftlich etwas verändert.